Süße Pflicht und faire Ketten

In diesem Jahr haben besonders viele Menschen in Deutschland sich zu Ostern etwas Süßes gegönnt. Weil man beim zweiten Osterfest in Pandemiezeiten wieder nicht verreisen, sich sonst nicht viel Gutes gönnen konnte. Doch von dem Geld kommt in Westafrika, der Region, die weltweit mit Abstand den meisten Kakao produziert, nicht viel an: Hütz-Adams, Wissenschaftliche Mitarbeiter des Bonner Südwind-Instituts, schätzt, dass um die 1,6 Millionen Kinder allein auf den Kakaoplantagen von Ghana und der Elfenbeinküste schuften. „Sie hantieren mit Macheten, bringen Pestizide aus, schleppen zu schwere Lasten und versäumen dadurch die Schule.“ Die meisten Kleinbauern seien unorganisiert. „Sie haben keinen Einfluss auf den Kakaopreis, denn sie haben keine Verhandlungsmacht gegenüber den Großkonzernen, die den Schokoladenmarkt beherrschen und die Preise drücken.“ Von einer in Deutschland für 89 Cent verkauften Tafel Milchschokolade kämen weniger als sechs Cent bei einem Bauern in Ghana an, erklärte Hütz-Adams in einem Interview mit dem evangelischen Pressedienst.

Das geplante Lieferkettengesetz, das zum Sommer in Kraft treten soll, wird sich nach Dafürhalten von Hütz-Adams auch auf die deutsche Süßwarenbranche auswirken: So sollen große deutsche Firmen künftig stärker in die Pflicht genommen werden, auf die Einhaltung von Menschenrechten und Umweltschutz bei Zulieferern im Ausland zu achten. Die Sorgfaltspflicht der Firmen soll etwa für das Verbot von Kinder- und Zwangsarbeit, für die Einhaltung von Arbeits- und Umweltstandards sowie für faire Löhne gelten. Nichtregierungsorganisationen und Gewerkschaften mit Sitz in Deutschland sollen bei Menschenrechtsverletzungen im Ausland vor deutschen Gerichten klagen können, wenn die Opfer dem zustimmen. Außerdem drohen Firmen hohe Bußgelder bei Verstößen gegen das Regelwerk. Vielleicht bewegt sich jetzt also doch endlich etwas.  Denn viele Fair-Trade-Siegel beruhigen eher das Konsument:innengewissen. Es gibt derzeit an die  zwanzig verschiedene, mit sehr unterschiedlichem „Hintergrund“, manche sind schlicht firmeneigene Siegel,  was bedeutet, dass Kontrollinstanz und zu kontrollierendes Unternehmen in Personalunion auftreten, auch wenn dies auf den ersten Blick nicht erkenntlich ist.