Wonach schmeckt „Pankow“?

Interview mit Tanja Dückers, Tagesspiegel Bezirksnewsletter Pankow (14.1.2021)

Tanja Dückers -Foto von Anton Landgraf. jpg

Tanja Dückers ist Schriftstellerin und Journalistin. Sie wurde im Westteil Berlins geboren und lebt heute in Prenzlauer Berg. Seit einer Weile ist sie auch in der Süßigkeitenbranche aktiv: Sie erfand die Schokoladenmarke „Preußisch süß“, die als „Berliner Stadtteilschokolade“ den verschiedensten Orten der Hauptstadt unterschiedliche Geschmäcker gibt.

Frau Dückers, wie kommt man als Schriftstellerin auf die Idee, Schokolade herzustellen – und sie dann auch noch nach Stadtteilen abzuschmecken? Mich hat schon immer beeindruckt, wie unterschiedlich die Charaktere der verschiedenen Stadtteile in Berlin so sind. Ich bin in Berlin geboren und habe im Westen wie im Osten in vielen Gegenden schon gewohnt. Als ich von einer Lesereise aus Süddeutschland zurückkam, freute ich mich unheimlich darauf, wieder nach Hause zu kommen. Und während ich in Gedanken so den einzelnen Stadtteilen „nachschmeckte“, kam mir die Idee, meine Zuneigung zu Schokolade mit meiner Zuneigung zu meiner Heimatstadt zu verbinden. Bisher hatte ich viele Bücher und Artikel über Berlin veröffentlicht, aber warum nicht versuchen, die Stadtteile in charakterlich treffende „Schoko-Porträts“ zu verwandeln? Mit etwas Humor natürlich – Klischees werden dabei, wie dieser oder jener Stadtteil so „schmeckt“, was für ein Image er hat – bedient und nicht vermieden.

Seit wann machen Sie das? 2017 sind wir an den Start gegangen. Und haben gleich auf dem Berliner Naschmarkt zu unserer Freude die Auszeichnung „Die Süße Schnecke“ für bestes Naschwerk im Bio-Sektor aus der Region Berlin/Brandenburg erhalten. Jetzt gibt es schon 23 verschiedene Sorten aus 23 Stadtteilen.

Schmecken die wirklich alle anders? Ja. Die Arbeit mit Geschmacksnoten ist nicht weniger aufwändig als die mit Worten, habe ich festgestellt. Dabei arbeite ich gemeinsam mit einem Chocolatier. Ich recherchiere in den Stadtteilen, beschäftige mich mit der Historie, den kulinarischen Traditionen, auch mit wichtigen Personen oder Bauwerken. Die Auswahl der Ingredienzen schlage ich vor. Dann schaut der Chocolatier, ob es die Zutaten in Bio- und Fair-Trade-Qualität gibt, probiert die Mischungen, das Miteinander der Ingredienzen aus, berät sich hierüber mit mir, macht Vorschläge für die Dosierung. Auf jeder Tafel befindet sich ein kurzer Text, der ein wenig Auskunft über die Auswahl der Zutaten gibt.

Und wonach schmeckt Pankow so? Ich habe an der Rezeptur von „Pankow“ ein paar Monate gearbeitet, getüftelt. Dabei rekurriere ich unter anderem auf Christa Wolf, die hier gelebt hat. Ich musste hier an „bürgerlichen Ernst“ denken, Walnüsse, Äpfel. „Pankow“ hat etwas Protestantisches. Die Tafel ist sehr lecker geworden, eine meiner Lieblingstafeln. Nicht krass wie Kreuzberg oder Neukölln, sehr harmonisch komponiert.

Die Schokolade finden Sie hier auf der Website: www.preussisch-suess.de. / Foto: Anton Landgraf