Über das Herumstreunen in der Stadt und das herrliche Erfinden neuer Rezepturen: Interview mit Tanja Dückers

Kurz vor Weihnachten laufen die Motoren im Schokoladenkosmos heiß: Im Interview erzählt uns Tanja Dückers, Schriftstellerin und Erfinderin der Preussisch Süß Berliner Stadtteilschokoladen, wie sie diese turbulenten Wochen erlebt, und was es Neues aus der süßen Werkstatt zu berichten gibt.


Tanja, wie läuft deine Weihnachtszeit bislang?

Sehr gut. Die Märkte – Holy Shit Shopping, Naschmarkt und Weihnachtsrodeo – liefen bisher prima und ich habe dort viele interessante, zum Teil skurrile Begegnungen und Gespräche geführt. So von Schokoholic zu Schokoholic.

Die Leute legen in dieser Saison besonderen Wert auf nachhaltige Qualitätsschokolade, davon profitieren wir.


Angefangen hat alles 2012. Wie schaust Du auf die vergangenen Jahre von Preussisch Süß?

Schon ganz schön anstrengend. Ich gebe zu, als Kreative – ich komme ja von der freien Literatur – habe ich den Verwaltungsaufwand, das Organisatorische dabei, ein Unternehmen zu gründen und zu leiten, etwas unterschätzt. Der Anteil der kreativen Arbeit – also zum Beispiel das Herumstreunen in der Stadt, das Nachdenken und Recherchieren über die Stadtteile und das herrliche Erfinden neuer Rezepturen – macht nur einen kleinen Teil meiner Arbeit aus.

Darum machen mir jetzt die Märkte so viel Spaß. Mit Menschen reden statt Bestellungen koordinieren, Rechnungen schreiben und über Lagerbestände nachdenken…


Wie entsteht eine neue Stadtteilschokolade, wie kommst Du auf die Kreation?

Ich überlege mir bestimmte Routen durch den Stadtteil, suche mir vor meinen Recherchegängen bestimmte Objekte, Architektur, Sehenswürdigkeiten und wiederum gerade Nicht-Sehenswürdigkeiten, sondern Orte, an denen einfach nur die normalen Bürger legen, heraus und streune dann herum. Dann lese ich noch viel, recherchiere über die Geschichte des Stadtteils, auch die Zusammensetzung der Bevölkerung – welche kulinarischen Trends gibt es dort, auch historisch.

Dann fühle ich mich da ein…. und überlege, wie man diese mentalitätsgeschichtliche-soziologisch-politisch-geographisch-kulinarische Melange in Schokolade „gießen“ kann. Eine Prise Humor sollte als Ingredienz auch nicht fehlen. Dann kommt das Gespräch mit dem Chocolatier ins Spiel. Dann wird gemeinsam überlegt, was realistisch ist, was in Bio- und Fair-Trade-Qualität erhältlich, was also für uns überhaupt nur umsetzbar ist.

Die Leute legen in dieser Saison besonderen Wert auf nachhaltige Qualitätsschokolade, davon profitieren wir.


Was war bislang Dein liebster Preussisch Süß-Moment?

Es war schon schön, für unsere Sorte „Kreuzberg“, als wir gerade erst eine Woche, auf dem Markt waren, gleich den Preis „Die Süße Schnecke“ verliehen zu bekommen… Das war ein schöner Start.

Aber auch: Wie wir nach sechs mühevollen Versuchen und geschmacklichen Abwegen endlich die Sorte „Tempelhof“ richtig gut fanden.


Sind schon wieder neue Sorten in der Mache?

In meinem Kopf schon. Reinickendorf und Marzahn zum Beispiel. Über Treptow denke ich schon seit Langem nach – immer wieder andere Ideen dazu. Der Bezirk ändert sich schnell. Ich hoffe im nächsten Jahr drei neue Sorten entwickeln zu können.


Und was wird 2020 wohl Dein liebster Preussisch Süß-Moment werden?

Treptow – rund und lecker!!

 

Die Fragen stellte Natalia Bronny © Tanja Dückers, Berlin, 15. Dezember 2019